Tetzel und der Klimawandel: Ablassbriefe für Vielflieger

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Stimmt, es ist ja nicht mehr viel Ozon im Weg. Das Loch stopfen wir mit CO2. Das Molekül ist etwas kleiner, somit prima platzsparend und hält uns zudem schön warm (Treibhauseffekt). Und damit wir alle weiterhin ohne schlechtes Gewissen um die Welt düsen können, bieten viele Fluggesellschaften so genannte CO2-Kompensationen an.

Die Idee ist nicht neu. Dominikanermönch Johann Tetzel (1465 – 1519) bot Sündenablass gegen Geld an im Namen des seinerzeit größten Global Players und Exportweltmeisters in Sachen Glauben: Die katholische Kirche. Was damals gut war, muss ja heute nicht schlecht sein. So haben sich einige Firmen gegründet, die den Handel mit CO2-Ablassbriefen betreiben. Versprochen wird, das gezahlte Geld in Klimaschutzprojekte zu stecken. Somit ist dann der eigene CO2-Ausstoß sozusagen neutralisiert, weil ja anderswo das Geld wieder in Klimaschutz gesteckt wird. Dafür gibt es spezielle Umwelt-Umrechner.

Für den Flugreisenden ist das meistens ganz einfach und besonders erschwinglich. Bei easyJet, bekannt für günstige Angebote, kostet ein CO2-Ablass für den Flug von Amsterdam nach Edinburgh € 1,41. Per Mausklick werden die Sünden erlassen. Wenn das der seelige Johann hätte erleben können! Ansonsten hat man aber auch beim Billigflieger entdeckt, dass es wesentlich schlauer ist, erst gar nicht so viel CO2 in die Luft zu pusten. Im Verbund mit Billigflug-Gesellschaften ist easyJet bemüht, den Ausstoß zu reduzieren. Virgin-Milliardär Sir Richard Branson steckt viel Geld in die Entwicklung von Biotreibstoff für Flugzeuge.

Eine ganz tolle Idee ist auch eher biblisch: Bäume pflanzen. Ablasshändler bieten neben sinnvollen Projekten rund um Entwicklungshilfe und alternative Energien auch Baumpflanzungen als Kompensation an. Laut Ernst-Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie dauert es allerdings 60 Jahre, bis ein Baum tatsächlich CO2 aus der Luft verbraucht. Ist aber nicht so schlimm. Man hält einfach 1893456000 Sekunden lang die Luft an und genießt dann die Frische seiner selbst gespendeten CO2-Kompensation.

Viel besser wäre es da, die Elche auszurotten. Die rülpsen jedes Jahr Unmengen an Schadstoffen in die Luft (siehe Bericht) und fressen das ganze Grün weg! Außerdem sind sie lecker. Passend dazu gibt es beim Radiosender SWR3 die Programmaktion Elch und weg. Verlost werden Urlaubsreisen nach Griechenland. Die größten Kritiker der Elche - essen heute selber welche.

Es gibt aber auch andere Wege, mit der Erderwärmung umzugehen. Das Netzwerk zur Klimaadaption in der Region Starkenburg klara-Net überlegt zum Beispiel, Kiwis und südländische Weine im Odenwald zu kultivieren. Im norddeutschen Höhenzug Elm steht übrigens der Tetzelstein. Schlaue Investoren sollten sich dort schon mal Boden und Lizenz für eine Surfschule sichern.

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