Rammelsberg: Hinunterklettern ins tiefste Mittelalter

Nahe der Harz-Stadt Goslar liegt das Museum und Besucherbergwerk Rammelsberg. Beide Stätten wurden 1992 von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben. Goslars Innenstadt ist eine hervorragend erhaltene Altstadt. Das Bergwerk Rammelsberg ist das einzige weltweit, das mehr als 1000 Jahre ununterbrochen betrieben wurde. Erst 1988 wurde es stillgelegt. Besucher können nun historische Bergbaumaschinen besichtigen und in Stollen kraxeln, die schon im 12. Jahrhundert von Menschenhand bearbeitet wurden.

Der Rammelsberg hat Tradition. Schon vor 3000 Jahren wurde hier Erz gewonnen, 1000 Jahre lang professionell Bergbau betrieben. Genau aus diesem Grund gehört der Ort heute zum Weltkulturerbe. Unter Tage geht es zum Beispiel in einer Abenteuertour bis in den farbenprächtigen Rathstiefste Stollen. Kleidung und Geleucht werden gestellt. Unter Tage gibt es ein Schärper-Essen, das seinen Namen vom Bergmannsmesser hat, mit dem Wurst, Käse und Brot über den Daumen gegessen wurde. Für die vierstündige Tour ist körperliche Fitness Vorraussetzung.

Der Roeder-Stollen ist nicht nur geologisch interessant, sondern auch eine Show der besonderen Art. In dem 200 Jahre alten Stollen befinden sich riesige Wasserräder, die einstigen Antriebsmotoren für die Wasserpumpen und die Erzförderung. Inszeniert wird die Führung durch Licht- und Klanginstallationen, die einen atmosphärisch dichten Eindruck vermitteln von den Arbeiten in längst vergangener Zeit.

Multimedial und technisch geht es auch in den vier großen Museumshäuser zu. Live-Vorführungen, Film- und Hörbeiträge bereichern die geführten Rundgänge in einer der größten musealen Einrichtungen Deutschlands. Der Rammelsberg stellt somit ein breit gefächertes Angebot von Erlebnisurlaub, über Kulturtourismus bis hin zu Familienfreizeit zur Verfügung.

Wundersam nur, wie wenig die Einrichtung sich selbst vermarktet. Der Internetauftritt ist öde wie eine Abraumhalde zu wirkt so gar nicht erlebnisreich, was im krassen Kontrast zum Angebot steht. Und so richtig einig ist man sich auf dem Rammelsberg auch nicht, wie es voran gehen soll. Ende August schied mit großem Getöse mit Susanne Abel die vierte Direktorin vorzeitig aus. Der Krach mit dem Aufsichtsrat dreht sich vor allem um die geringen Besucherzahlen.

Den interessierten Kurzurlauber, der gern mal einen ungewöhnlichen und reizvollen Reiseort ansteuern möchte, sollte das wenig stören. Auch als außergewöhnlicher Ort für Tagungen und Konferenzen ist das Bergbaumuseum nahe Goslars wärmstens zu empfehlen.

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