Berliner, Jeans und die Relativitätstheorie: Wie man Deutschland den Amerikanern schmackhaft macht
Es war im Juni 1963 als John F. Kennedy sich outete und gestand: Ich bin ein Berliner. In Idar-Oberstein klopfte im August 2005 Bruce Willis an die Haustür seines Geburtshauses, um wenigstens mal kurz nach seinen Wurzeln zu schauen und irgendwie auch seinen Pflichten nachzukommen - schließlich ist er Sonderbotschafter der rheinland-pfälzischen Edelsteinstadt. Für sich entdeckt hat die US-Amerikaner mit deutscher Abstammung oder zumindest Affinität jetzt auch die Deutsche Zentrale für Tourismus. Kommt ins Land eurer Vorfahren!, ruft die DZT auf ihrer eigens gestalteten Website und lädt Amerikaner zum Deutschlandurlaub ein.
Diese Kampagne verspricht erfolgreicher zu sein, als jene, in der die DZT ausgerechnet den Franzosen die deutsche Küche schmackhaft machen wollte. Weißwurst und Saumagen sind als Werbeträger wohl doch schwerer verdaulich als Adidas und Mercedes-Benz. Allerdings lassen die Vermarkter einfach nicht die Finger vom Essen und wollen auch die Deutsch-Amerikanische-Freundschaft würzen. Der Standardeintrag im Web: Pommes mit Mayo. Nicht mal rot-weiß, und die Dinger, die eigentlich in Belgien erfunden wurden, heißen drüben french fries. Bon Appetit.
Unterstützer der Kampagne ist auch George W. Bush, obwohl - oder vielleicht weil - der ja schon so manches Mal die beleidigte Leberwurst gespielt hat, wenn Germany mal nicht mit ihm spielen wollte (Niemand hat so gut Stöckchen geholt wie Tony). Bush rief den 6. Oktober zum Deutsch-amerikanischen Tag aus; zwei Tage zuvor, am 4. Oktober – einmal in europäischer Zeitrechnung (2007 nach Christi Geburt) und einmal in amerikanischer (232 nach Unabhängigkeit). Den islamischen Kalender erwähnte er nicht.
Aber apropos Leberwurst und Schweinefleisch: Die deutschen Touristiker preisen heimische Speisen momentan so überschwänglich an, als würde Eckart Witzigmann in 2000 germanischen Küchen gleichzeitig kochen. Den bundesweit 98 qualifizierten Wanderwegen stehen geschätzte 342 kulinarische Touren gegenüber. Wenn das der Hermann Löns wüsste! Der ist übrigens nicht nach Amerika ausgewandert, sondern fiel ziemlich rasch bei seinem ersten Sturmangriff als Soldat auf die Franzosen 1914 bei Loivre. Wahrscheinlich hatte er mit Heidschnuckenwurst gedroht.
Eingewandert sind hingegen Levi Strauss und Albert Einstein, zwei Deutsche jüdischen Glaubens, die in unterschiedlichen Epochen nicht ganz freiwillig der Heimat den Rücken gekehrt haben. Neben Sandra Bullock und Kirsten Dunst gehören sie nun zu den Galleonsfiguren der Deutsch-Amerikaner, die US-Bürger ins Land der unbegrenzten Biersorten.
Gut essen können die Touristen in Deutschland dann natürlich schon. Aber das Ganze präsentierte sich wohl weniger lächerlich, wenn wir endlich damit aufhören würden, aller Welt stolz zu zeigen, was man alles Tolles in Tierdärme stopfen kann und wie man aus drei Zutaten (Hopfen, Malz und Wasser) 5000 verschiedene Getränke braut.









